Fossilbänkchen

Normalerweise ist der Wellenkalk recht fossilarm. Das liegt nicht nur daran, daß die Lebensbedingungen für Organismen schlecht waren (was sicher phasenweise der Fall war - Schwankungen im Salzgehalt und Sauerstoffgehalt des Wassers, besonders in tieferen Wasserschichten), sondern auch daran, daß durch die komplizierte Digenese und durch die Destruktion des Sedimentes Fossilien auch postum wieder zerstört wurden. Oft findet man jedoch das Spurenfossil Rhizocorallium. In dünnen Fossilbänkchen und -linsen trifft man jedoch auf interessante Anreicherungen von Fossilresten: Muscheln und Schnecken sind dann die häufigsten Fossilien. Dazu kommen vereinzelt Wirbeltierreste (Zähne von Fischen, Knochen und Zähne von Nothosauriern usw.) und Echinodermatenreste, im Unteren Wellenkalk auch ab und zu der kleine Ammonit Beneckeia buchi. Solche Fossilbänkchen muß man im Gelände aufspüren. Dann hat man eine Chance, gute Belegstücke für die Bewohner des "Wellenkalkmeeres" zu finden.

Werksteinbänke des Unteren Muschelkalkes 

Die drei Werksteinbänke des Unteren Muschelkalkes sind besonders interessante fazielle Entwicklung. Ihre überwiegend massige, dickbankige Erscheinung kontrastieren zum doch eher kleintexturiertem Wellenkalk, und dank ihrer Härte treten sie an natürlichen Profilen als steilwandige Felsbänke hervor.

Die Werksteinbänke bestehen überwiegend aus Schaumkalk, einem porösen, hochprozentigen Kalkstein, der beim Anschlagen weißes Gesteinsmehl ergibt (Mehlbatzen). Die häufig erwähnte oolithische Natur ist indes nicht korrekt - die ursprünglich die Hohlräume ausfüllenden Partikel waren höchstselten echte Ooide, sondern Pseudo-Ooide: rundliche Partikel verschiedener Natur. Dazu gehören Rindenkörner (von Algenkrusten umgebene Partikel), Onkoide u.a. Sie sind im Verwitterungsbereich gelöst worden und hinterließen die charakteristischen Poren des Schaumkalkes. Speziell die Terebratelbänke bestehen oft aus Bioklast-reichen Arenitkalk, in dem fein zerriebener Grus von Brachiopoden (Coenothyris) Hauptbestandteil sein kann. Die Schalentrümmer zeigen oft eine etwas rötlich-seidenglänzende Oberfläche.

In den Werksteinbänken kommen oft Hartgünde (hard grounds) aus dichtem, dunkelgrauen bis blaugrauen, mikritischen Kalken vor. Sie entstanden durch frühdiagenitische Aushärtung (Zementation) des Sediments in Phasen ohne nennenswerte Sedimentation. Sie sind nicht selten völlig zerbohrt (Spurenfossilien Trypanites und Balanoglossites), waren also von bohrenden Tieren besiedelt. Auch Seelilien und byssate sowie zementierende Muscheln siedelten gerne auf diesem festen Untergrund. Häufig wurden die Hartgründe von der stürmischen See zerstört, Dann finden sich reste von ihnen als Gerölle im Schaumkalk.