Mittlerer Wellenkalk

Mittlerer Wellenkalk
Der höhere Wellenkalk (mu2 und mu3)

Die beiden Großzyklen des höheren Wellenkalkes erreichen insgesamt nur wenig mehr Mächtigkeit als der Untere Wellenkalk (mu1) mit den Oolithbänken. Es sind wiederum an eustatische Meeresspiegelentwicklungen gekoppelte Zyklen mit einer Tendenz von tieferem zu flacherem Wasser ("shallowing up" - Zyklen), mit den fossilreichen Terebratelbänken und Schaumkalkbänken als finale Flachwasserbildungen der Zyklen. Die lokal mehr oder weniger kräftig dolomitisierten Orbicularisschichten gehören bereits zum basalen Mittleren Muschelkalk (= Untere Dolomite der Karlstadt-Formation.

Der untere Wellenkalk (mu1) schließt mit den Oolithbänken ab. Darüber folgen die beiden Großzyklen des Mittleren (mu2) und Oberen (mu3) Wellenkalkes, die ebenfalls mit den Bankzonen der Terebratel- und Schaumkalkbänke enden. In unserer Region sind im mu2 die Konglomeratbänke f1 und f4 sehr gut ausgebildet, während die f2 und f3 der Jenaer Region hier oft nicht mehr sicher zu erkennen sind.

Der Mittlere Wellenkalk mu2

Der Mittlere Wellenkalk mu2 beginnt über der oberen Oolithbank oft mit einem durch Massentransport völlig zerrütteten Horizont. Darüber folgt eine Zone plattiger, z.T. weicher Kalkmergel mit der Konglomeratbank f1 am Top. Die Mergel haben bei Farnstädt Serpianites ("Ceratites") antecedens geliefert, einen sehr seltenen Ammoniten des U. Muschelkalks.An der Basis der Konglomeratbänke, insbesondere der bei uns sehr unbeständigen f2 sowie der Spiriferina-Bank, kommen lokal Verschüttungslagerstätten von Echinodermaten vor (Seelilie Encrinus brahli, Seeigelreste u.a.), am Top sessile Muscheln (Newaagia, Enantiostreon). Letztere haben das Konglomerat kurzzeitig als sekundären Hartboden besiedelt.

Bis zur (lokal in zwei Bänke zerfallenden) Spiriferina-Bank mit dem Brachiopoden Punctospirella fragilis als Charakterfossil folgt Wellenkalk mit einzelnen Fossilbänkchen und -linsen, oft durch Bewegungsvorgänge völlig zerrüttet und destruiert. Manchmal sind die Scherflächen dieser Massentransporte deutlich nachzuweisen. In der Regel bedarf es aber einiger Übung, im bröckligen Wellenkalk dergleichen zu erkennen. In der Spiriferina-Bank wiederholt sich die Fazies der Konglomeratbank f1, mit Verschüttungslagerstätten und Muschelbänken. Manchmal trifft man auch auf die kleinen Schlangensterne der Gattung Aspidura, deren Körperscheibe nur wenige Millimeter Durchmesser erreicht. Bis zu den Terebratelbänken folgen noch einige Meter Wellenkalk. Vor dem Kurzportrait der Terebratelzone zunächst einige Bilder.

Die Terebratelzone

Die Terebratelzone besteht aus zwei massiven, etwa 1 m mächtigen Bänken, getrennt durch ein ca. 2 m mächtiges Wellenkalkmittel. Bei Bad Kösen nimmt die Mächtikeit des Mittels lokal auch deutlich ab. Normalerweise sind die Terebratelbänke feste, klotzige, arenitische Kalke voller Schalendetritus von Brachiopoden (Coenothyris vulgaris - früher Terebratula!) und Muscheln. Sie geben einen sehr guten Werkstein ab. Die obere Bank tritt lokal auch als echter Schaumkalk auf. Dann enthält sie auch bisweilen hervorragend erhaltene Mollusken als Kalzitersatzschalen. Das Dach der oberen Bank wird oft von der 1. Macrodonbank gebildet, reich an Muscheln und Schnecken, darunter die Muschel Parallelodon beyrichi (früher Macrodon). Mit kurzem Abstand folgt darüber oft eine 2. Macrodon-Bank. Ansonsten folgt der Obere Wellenkalk dem Muster der tieferen Wellenkalk-Abteilungen. Nur scheint hier die Intensität von Transportereignissen und Sigmoidalklüftung mit Annäherung an die Schaumkalkzone nachzulassen. Der Schaumkalk selbst ist das nächste Kapitel - zuvor einige Bilder zur Terebratelzone..