Unterer Muschelkalk Phänomene

Interessante Einsichten in besondere Phänomene und Gesteine
Im Unteren Muschelkalk beherrscht die Wellenkalkfazies das Bild. Wellenkalke sind oft eigenartig strukturierte Mergelkalke mit sehr wechselhaftem Charakter. Beschreibende Begriffe wie fein- bis grobflaserig, knauerig - knorpelig, plattig, schwach bis stark wellig u.a. versuchen, diese Vielfalt im Erscheinungsbild in begriffliche Form zu bringen. Tatsächlich existiert für den Wellenkalk kein heutiges Gegenbild zum direkten Vergleich. Daher sind immer noch Fragen der Genese (Entstehungsgeschichte) des Wellenkalkes unbefriedigend geklärt oder offen.

In diesem merkwürdigen Gestein fällt zunächst der hohe Gehalt an Mikriten auf. Das sind Gesteinsvarianten mit besonders feinkörniger Matrix, deren Partikelgröße der der Tonfraktion klastischer Gesteine entspricht. Die einzelnen Partikel/Kristalle sind nur unter dem Mikroskop zu erkennen. Im Aufschluß erscheint dieses Gestein dicht, hart und splittrig (oft sog. muscheliger Bruch) - es klingelt beim Anschlagen mit dem Hammer. Oft unterscheidet sich der Mikrit durch seine dunkel blaugraue Farbe von anderen, helleren Gesteinsvarianten.

Andere Varianten, aus denen häufig die Fossilbänkchen bestehen, sind mehr oder weniger grobspätige Kalke, bei denen man oft einzelne Kristallindividuen schon mit bloßem Auge oder mit einer Lupe unterscheiden kann ("Makrosparite"). An froschen Bruchflächen können sie wie Zucker glänzen. In sparitischen Kalkbänkchen findet man oft Fossilien in Ersatzschalen-Erhaltung. Die Schalensubstanz von Mollusken beispielsweise ist dann durch sparitischen Kalkzement ersetzt worden.

Besonders zahlreiche Fossilien kann man in organodetritischen Partikelkalken (Areniten) finden. Sie bestehen aus fein zerriebenen Schalenresten von Mollusken und Brachiopoden und/oder einem Anteil an Stachelhäuterrresten (Stielglieder von Seelilien, Resten von Schlangensternen und Seeigeln). Solche biodetritischen Partikelkalke entstehen, wenn weicher Klakschlamm durch heftige Wasserbewegung (Sturmwellen) aufgewirbelt wird und die Partikel nach Beruhigung des Wassers, nach Größe und Gewicht sortiert, wieder zu Boden sinken. Auch aus Suspensionswolken, die lange Strecken zurücklegen können, fällt sortiertes Material aus. Schweres Material, das nicht durch Wasserbewegungen angehoben werden kann, wird auf dem Grund bewegt und konzentriert. Muschelschalen können dann dicht an dicht ineinander verschachtelt werden. Solche Sedimente entstehen häufig bei schweren Stürmen, wenn starke Wellen auch den Meeresgrund mit ihren Bewegungen erfassen (Sturmsedimente oder Tempestite).

Die eigenartige Struktur des Wellenkalkes, darüber bestehen inzwischen kaum noch Zweifel, ist aber nicht nur aus sedimentologischen Prozessen herzuleiten, sondern beruht auch hochgradig auf tektonisch verursachten Transport- und Bewegungsprozessen. Sie wurden vermutlich durch Seebeben am Grunde des Muschelkalkmeeres ausgelöst. Bebenwellen durchrüttelten das Gestein und zerstörten dessen primäres Gefüge mehr oder weniger stark. Oft sind ganze Schichtpakete in Bewgung gekommen und abgerutscht. Dafür reicht schon die geringste Hangneigungen, sofern die Konsistenz des Gesteins für diese Prozesse förderlich ist - und das war im Unteren Muschelkalk wohl oft der Fall. Der Kalkschlamm des Muschelkalkmeeres wurden in allen Phasen der Verfestigung (Konsolidierung) von den Ereignissen erfaßt - vom wasserreichen, primären Kalkschlamm bis zum bereits verfestigten Kalkstein. Dazwischen gibt es alle Übergänge in der Konsistenz - und alle reagieren anders auf solche Ereignisse. Enstprechend vielfältig stellen sich die Folgen dann im Aufschlußbild dar. Dafür nachfolgend einige Beispiele.