Unterer und Mittlerer Buntsandstein

Lithostratigraphie des Buntsandsteins in Nordthüringen

Der Untere und Mittlere Buntsandstein bestehen bei uns aus einer zyklischen Abfolge von Sandsteinen, Schluffsteinen und Tonsteinen. Die großen Sedimentationszyklen bilden die Basis der lithostratigraphischen Gliederung in Formationen. In der Bernburg- und Volpriehausen-Formation ist der Einfluß eines großen Sees in Norddeutschland bis in unsere Region zu erkennen: die dolomitischen Sandsteine der Bernburg-Formation als fazielles Äquivalent der norddeutschen Rogenstein-Zone entstanden in den südlichen Randbereichen dieses großen Gewässers. In den Avicula-Schichten (Obere Volpriehausen-Formationen) kommen sogar fossile Muscheln und Schnecken vor, Bewohner dieses Binnensees mit temporärer Verbindung zum Nordmeer jener Zeit.

In der Dethfurt- und Hardegsen-Formation sind solche großflächigen Seeablagerungen bei uns nicht mehr verbreitet. Hier wechseln Flußablagerungen (Sandsteine mit Schrägschichtung) mit feinklastischen Ablagerungen kleiner, stehender Gewässer (Ton- und Schluffsteine, lokal mit den Resten von Kleinkrebsen - Conchostraken). Pflanzenreste kommen in diesen Ablagerungen nur sehr selten vor.Die Solling-Formation vermittelt zum stärker marin geprägten Oberen Buntsandstein (Röt). In den oberen Sandsteinhorizonten (Thüringer Chirotheriensandstein) nimmt die Fossilführung zu. Insbesondere die Spuren größerer Reptilien (Chirotherium - "Handtier") kennzeichnen diesen Horizont. Bodenbildungen lassen auf dichtere Vegetation schließen, und lokal kommen in den höchsten Niveaus bereits marine Fossilien vor. Sie belegen das erste Eindringen des Rötmeeres in die mitteldeutsche Region. Damit wird ein radikaler Wechsel in der Geschichte des Germanischen Beckens eingeleitet.

Fazieskarten des Buntsandsteins   
Fazieskarten des Unteren und Mittleren Buntsandsteins Bild 1: Lithostratigraphie des Buntsandsteins in Nordthüringen (nach Radzinski 1985, umgezeichnet/modifiziert) 

Bild 2 und 3: Fazieskarten des Unteren und Mittleren Buntsandsteins in Mitteldeutschland (aus Gaupp, Thomas & Lützner 1998, umgezeichnet und verändert

5: Massige, schräg geschichtete dolomitische Sandsteine der Bernburg-Formation in einem alten Steinbruch bei Wangen. 6: Volpriehausen-Wechselfolge im alten Steinbruchgelände von Wangen

Der Untere Buntsandstein entwickelt sich in unserem Gebiet ohne scharfe lithologische Grenze gegen den Zechstein. Die Untergrenze der Calvörde Formation liegt in einer äußerst fossilarmen Serie von mürben Sandsteinschichten sowie Ton- und Schluffsteinen ("Untere Sandstein-Schieferton-Wechselfolge"). Darüber folgt die Serie der "Sandigen Tonsteine" mit einer Vorherrschaft feinklastischer Sedimente. Die Calvörde-Formation ist derzeit nirgendwo im Gebiet gut aufgeschlossen. Erst die dolomitischen Sandsteine der Bernburg-Formation sind in alten Steinbrüchen um Nebra-Wangen großflächig zugänglich, da diese festen, hellen Sandsteine früher als Bausteine verwendet wurden. In den Brüchen ist dann in der Regel auch ein größerer Teil der Volpriehausen-Formation bis zur Volpriehausen-Wechselfolge erschlossen.

8: In die relativ weichen Schichten der Detfurth-Wechselfolge hat man in Schönburg stollenartige Keller gebaut.
4: In Schönburg bei Naumburg ist der Dethfurt-Sandstein zum "Wartehaus" einer Bushaltestelle ausgehöhlt worden.
9: Hangender Teil der Hardegsen-Formation (A1) mit Zyklus Hardegsen 3 und 4 bei Nebra. Darüber folgt der Solling-Basissandstein (A2).
10: Hangender Teil der Solling-Formation im Steinbruchgelände hinter der Nebraer Burg: Chirotheriensandstein (A) über den Zwischenschichten (B) mit Bodenhorizonten.
11-13: Chirotheriensandstein der Solling-Formation in einem Steinbruch an der Disse bei Birkigt. 11: Bankunterseite mit Abdruck (Negativ) von Wellenrippeln der unterliegenden Bankoberfläche; 12: Spurenfossilien auf einer Bankunterseite, 13: kugelförmige, im Anschnitt kreisrunde karbonatische Konkretionen im Sandstein. Wenn diese Konkretionen herauswittern, bleiben die Hohlräume des sogenannten "Löchersandsteines" übrig.

Der Mittlere Buntsandstein ist vor allem um Nebra und zwischen Naumburg und Weißenfels in schönen Aufschlüssen zu beobachten. Rund um Schönburg-Goseck finden sich die besten Aufschlüsse in den überwiegend intensiv roten Detfurth-Sandsteinen und in der Detfurth-Wechselfolge. Ferner trifft man hier auch Aufschlüsse in der Hardegsen- und Solling-Formation.

Die hängende Partien der Hardegsen-Formation sind auch im Nebraer Steinbruchgelände angeschnitten. Dort ist weiterhin die Solling-Formation am vollständigsten aufgeschlossen. Aufschlüsse im Chirotheriensandstein finden sich zwischen Nebra und Kirchscheidungen an zahlreichen Stellen. Etwas ungünstig ist die Situation in der Detfurth-Formation, während die Volpriehausen-Formation wieder sehr schön bei Wangen beobachtet werden kann.