Unterer Wellenkalk

Unterer Muschelkalk bei Bad Bibra

(Wellenkalk oder Jena-Formation)

Im Saale-Unstrut-Triasland bildet der Untere Muschelkalk die mächtigste und am besten aufgeschlossene Abteilung des Muschelkalkes. Er erreicht eine durchschnittliche Gesamtmächtigkeit um etwa 110 Meter, wobei lokal zwischen 95 und ca. 120 Meter beobachtet werden können.

Mächtigkeit des Unteren Muschelkalkes und seiner Abteilungen im Vergleich: Das klassische Profil um Jena liegt randnäher als das Profil von Bad Bibra - Krawinkel im Saale-Unstrut-Triasland mit seiner deutlich größeren Mächtigkeit. Nach Jubitz 1959, umgezeichnet.

Die geringeren Mächtigkeiten finden sich im südöstlichen Teil des Gebietes, in Annäherung an das Jenaer Gebiet. In dise Richtung verliert übrigens auch die Oolithbankzone ihre typische Lithologie.Der Untere Muschelkalk (mu) beginnt mit der "gelben Grenzbank" und endet mit der oberen Schaumkalkbank. Die früher oft noch zum U. Muschelkalk gezogenen, schwer abgrenzbaren Orbicularisschichten im Hangenden der oberen Schaumkalkbank werden heute allgemein zum mittleren Muschelkalk gerechnet (Karlstadt-Formation). Das erleichtert die Grenzziehung, denn das Einsetzen der Dolomite als lithostratigraphisches Kriterium zur Grenzziehung mu-mm hat sich als unzuverlässig erwiesen. Die Dolomitisierung hat lokal den gesamten oberen Bereich der Schaumkalkzone bis dicht an die Oberfläche der unteren oder Hauptschaumkalkbank erfaßt (z.B. Zscheiplitz), andernorts sind selbst Teile der Orbicularisschichten davon verschont geblieben. Genau dort findet man dann auch das kennzeichnende Fossil, die Muschel Neoschizodus orbicularis.

Der Untere Muschelkalk setzt sich, wie überall im benachbarten Thüringer Becken, aus Mergelkalken der Wellenkalk-Fazies mit Einschaltung mikritischer und konglomeratischer Kalke zusammen. Dazu kommen drei Zonen mächtigerer Kalkbänke ("Werksteinbänke"), die eine Untergliederung in drei Abteilungen ermöglichen. Sie entsprechen Verflachungszyklen ("shallowing up"-Zyklen), beginnen mit Mergelkalken des tieferen Wassers und enden mit massigen, häufig pseudo-oolithischen Kalken des sehr flachen Wassers.

Weinberg  Basaler Wellenkalk bei Steigra  Profilausschnitt im mittleren Teil des Unteren Wellenkalkes  Profilausschnitt des Unteren Wellenkalkes 
Steilhang am Himmelreich bei Bad Kösen-Saaleck, einer der schönsten Wellenkalkhänge im Gebiet. Das Doppelband der Terebratelbänke ist plastisch herausgewittert. Der Abbau der Schaumkalkbänke (2) hat eine Terrasse geschaffen. Über dem Schaumkalk folgen die gelblichen Unteren Dolomite (Orbicularisschichten) des mm. Die Oolithbankzone liegt kurz über dem Talniveau und ist durch Bäume verdeckt.

Unterer Wellenkalk

Ausschnitt aus der Panorama-MontageDer Saalehang über den Saalehäusern zwischen Naumburg und Bad Kösen bietet ein schönes Profil des unteren Wellenkalkes: 1: Myophorientone des höchsten Röt am Top des Rektoratsberges (Weingut Pforta), 2: basaler Wellenkalk mit Fossilbänkchen, 3: Zone der Holocrinusbänkchen unter der Ooolithbank-Zone (4).

Ausschnitt aus der Panorama-Montage oben, an Profil 1 unterhalb des Denkmals Der Weinberg liegt i, höchsten Röt (Myophorientone und -platten). Darüber baut sich ein eindrucksvolles Profil des Unteren Wellenkalkes auf. Die Holocrinus-Tempestite liegen etwas mehr als 20 m über der Wellenkalkbasis.

Der Untere Wellenkalk beginnt mit der dolomitischen gelben Grenzbank. Im Raum Gleina - Karsdorf wird sie durch eine lokale Schaumkalkbank vertreten, die zu einigen Irrtümern in früheren Kartierungen geführt hat (irrtümlich als Oolithbank Alpha. Darüber folgen um 40 m Wellenkalk mit konglomeratischen Einschaltungen, Rutschungen (mass flows), Horizonten mit Sigmoidalklüftung und Fossilbänkchen. Bei etwa 4 m über der Basis ist nochmals eine dolomitische Lage entwickelt, im Gelände als gelbes, mürbes Band zu erkennen (wittert schneller aus als der umgebende Wellenkalk). Die Konglomeratbank bei etwa 21,3 m im Karsdorfer Profil entspricht dem Niveau der Holocrinus-Tempestite bei Bad Kösen. verbreiteten. In Annäherung an die untere Oolithbank nehmen Rutschungshorizonte erheblich zu. Mächtige Schichtpakete finden nicht mehr in ursprünglicher Lagerung, sondern sind Rutschungen erheblich gestört und deformiert.

Auch wenn das Gestein oft monoton erscheint: Es sind mehr Fossilien enthalten, als dies auf den ersten Blick möglich erscheint. Direkt über der Wellenkalkbasis, in den ersten Fossilbänkchen, trifft man den kleinen Ammoniten Beneckeia buchi an. Er ist hier mit diversen Muscheln (Gattungen Palaeonucula, Entolium, Plagiostoma, Myophoria, Neoschizodus u.a.), Schnecken und Scaphopoden vergesellschaftet. In einzelnen Lagen, insbesondere in den Tempestiten des mittleren Profilbereiches, sind oft massenweise Holocrinus-Trochiten zu beobachten, und einige Meter unter der Oolithbankzone wird auch Beneckeia buchi wieder häufiger. Einige Horizonte enthalten auch Wirbeltierreste, insbesondere Fischzähne (Haie: Acrodus und Palaeobates).

Bild links: Basaler Wellenkalk bei Steigra, mit mass flow - Horizont an der Basis und "Brotlaiben" (pillow-Strukturen) am Top des mass flow - Horizontes. Mittleres und rechtes Bild: Profilauschnitt im mittleren Teil des U. Wellenkalkes bei Saalhäuser (Profil 1); Mitte: Mehrere Massemtransporthorizonte, oben (3) mit pillows, darüber arenitische Kalke mit Holocrinus (vermutlich Sturmsedimente - Tempestite); rechts: größerer Profilausschnitt vom gleichen Profilpunkt, mit großen pillows (2) und umfangreicher Rutschmasse (4). Die Bewegungsbahn der Massengleitung (Scherfläche) ist mit 3 markiert.

Bild links: Basaler Wellenkalk bei Steigra, mit mass flow - Horizont an der Basis und "Brotlaiben" (pillow-Strukturen) am Top des mass flow - Horizontes. Mittleres und rechtes Bild: Profilauschnitt im mittleren Teil des U. Wellenkalkes bei Saalhäuser (Profil 1); Mitte: Mehrere Massemtransporthorizonte, oben (3) mit pillows, darüber arenitische Kalke mit Holocrinus (vermutlich Sturmsedimente - Tempestite); rechts: größerer Profilausschnitt vom gleichen Profilpunkt, mit großen pillows (2) und umfangreicher Rutschmasse (4). Die Bewegungsbahn der Massengleitung (Scherfläche) ist mit 3 markiert